Wüste
- Agnes
- 10. Apr.
- 4 Min. Lesezeit

Wir sind in Merzouga.
Noch vor dem eigentlichen Ortseingang biegen wir ab und stehen vor einem Hotel mit Stellplatz direkt vor den Dünen. Mit uns stehen da vielleicht noch 5 weitere Fahrzeuge. Der ganze Platz ist top gepflegt, die Duschen sind super sauber und immer ist jemand vor Ort um die Mülltonnen zu leeren.
Das Hotel hat einen wunderschönen Patio mit einem kleinen Pool. Alles wirkt gepflegt und liebevoll dekoriert.
Aber das Schönste ist der Blick in die Dünen. Wir können uns nicht sattsehen. Abends kommen Dromedare mit ihren Führen und bringen ein paar Touristen zum Sonnenuntergang in die Wüste. Am nächsten Morgen marschieren wir los. Wir haben eine hohe Düne im Blick, können aber nicht abschätzen, wie weit es ist. Es ist eigentlich gar nicht so anstrengend durch den Sand zu laufen. Das letzte Stück ist steil und wir kraxeln auf allen Vieren. Dann ist alles ganz still.
Was für ein Ausblick. In der Ferne sehen wir ein paar Dromedare vorbeiziehen und (hören) ein paar Quad Fahrer.
Nach Merzouga, in den Ort sind es noch ca. 5 km. Deshalb fahren wir einfach mit dem Auto. Im Ort finden wir einen Geldautomaten (Bargeld dabei zu haben ist sehr empfehlenswert) und wir suchen einen Laden, wo wir uns mit Obst und Gemüse eindecken können. Es gibt eine Hauptstraße mit diversen Geschäften. Bei einem Gewürzhändler werden wir schon schwach und kaufen gleich mehrere Mischungen die uns der sehr charmante Händler anpreist. Obst und Gemüse finden wir auch und natürlich auch noch was zum Anziehen für mich. Ich starte meinen ersten Versuch den hübschen Rock mindestens auf die Hälfte runterzuhandeln. Die machen das schon ziemlich schlau. Spätestens nach einer Anprobe kommt man nicht mehr aus der Nummer raus und zahlt immer noch mehr, als wahrscheinlich ok gewesen wäre. Aber es ist uns auch ein bisschen egal. Wir beschließen uns auf unser Gefühl zu verlassen: In der Regel wissen wir ja, was uns eine Sache wert ist. Handeln macht auch ein bisschen Spaß und wenn man sich irgendwo in der Mitte trifft, haben alle was davon. So denken wir zumindest.
Auf der Rückfahrt entdecke ich ein Schild auf dem Reittouren angeboten werden. Ich recherchiere sofort auf der Internetseite und frage im Hotel, ob man da mal anrufen könnte. Nach etwas hin und her klappt es und ich bekomme erklärt, dass ich einen 2-stündigen Ausritt zum Sonnenuntergang buchen könne. Ganz exklusiv, nur ich und der Guide. Ein bisschen aufgeregt bin ich schon. Es sind zwei Jahre her, dass ich zuletzt auf einem Pferd saß. Egal, sowas kommt vielleicht nie wieder denke ich und sage zu.
Pünktlich um 17 Uhr bin ich da. Mein Pferd ist bereits gesattelt und der Guide, Abdul begrüßt mich herzlich. Er befragt mich kurz zu meinen Reitkenntnissen, ob Galopp auch ok wäre. Klar, ich behaupte einfach mal ja. Kein Problem. Das wäre gut, meint er, dann könnten wir noch zum See reiten. Da sind die Flamingos.
Wir unterhalten uns - sogar auf Deutsch. Erstaunlich was gerade die jungen Leute hier in Marokko sprachlich drauf haben. Er war noch nie in Deutschland sagt er. Alles was er könne, hätte er sich hier mit den Touristen angeeignet.
Wir unterhalten uns über alle mögliche. Den Müll, den örtlichen Markt, der gerade stattfindet, den Muezzin Ruf vom Minarett und vieles mehr. Wir reiten über eine große Fläche Richtung See, die größtenteils aus Schotter und kleinen Steinen besteht. Dann wird es ernst und wir legen los.
Am See sind heute leider keine Flamingos zu sehen, aber es ist trotzdem wunderschön. Der See ist ein Wasserreservoir. Dieses Jahr sogar gut gefüllt auf Grund der vergangenen Regenfälle.
Die Sonne taucht bereits alles in ein goldenes Licht. Schön ist es hier. Und so friedlich.
Wir drehen aber um und nehmen Fahrt auf Richtung Dünen. Da wollen wir hin, um den Sonnenuntergang in voller Pracht zu genießen.
Mir ist ganz schwindelig vor Glück.
Ich versuche den Moment so intensiv wie möglich zu erfassen. Es sind so viele Eindrücke und Glücksgefühle, dass ich mir nur wünsche, diesen Moment für immer in meinem Erinnerungsschatzkästchen zu verwahren.
Die Sahara färbt sich rot-gold. Es ist still. Nur die Pferde schnauben hin und wieder. Man merkt wie viel Spass es ihnen macht. Am liebsten wollen sie laufen. Jetzt gesteht mir Abdul auch, dass sie ausschließlich Hengste haben. Kein Wunder. Das Pferd, das ich reite ist ein ziemliches Kraftpaket. Ich schlucke kurz, weil diese Form der Haltung kenne ich so nicht aus Deutschland. Egal, sie wissen hier anscheinend was sie tun. Und Abdul erzählt mir alles über das Unternehmen seiner Familie, das Training der Pferde, die großen traditionellen Veranstaltungen, bei denen Mannschaften im Pferdrennen gegeneinander antreten und noch vieles mehr.
Wieder Zuhause auf unserem Stellplatz rede ich wahrscheinlich noch mindestens zwei Stunden von diesem einmaligen Erlebnis.
Vielleicht komme ich wieder. Und dann reiten wir richtig in die Wüste. Mit Übernachtung. Sowas gibt es nämlich auch.
Merzouga, du hast uns gut gefallen. Wir möchten wieder kommen. Mit mehr Zeit. Hier gibt es noch viel zu entdecken und zu erfahren.
Mein Urlaub ist zu Ende und ich muss irgendwo hin, wo ich arbeitsfähig bin. Das Internet hier ist leider nicht so richtig stabil. Leider!!

Unser nächstes Ziel: Die Todra Schlucht. So langsam kommen wir in den "Marokko Flow".






































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