Marokko
- Agnes
- 15. März
- 4 Min. Lesezeit

Wir kommen an in einer ganz anderen Welt.
Bei strömendem Regen und Sturm. Die Überfahrt ist erträglich, und die Zollbeamten und die Polizei sind anscheinend so genervt vom schlechten Wetter, dass wir einfach durchgewunken werden. Da hatten wir ganz andere Stories gehört, von wegen stundenlanges Durchsuchen, Drogenspürhunde etc. Nix da. Wir sind in Marokko.
Als erstes schmeißen wir unsere Pläne über Bord und fahren nicht nach Chefchaoun, sondern nach Asilah in die entgegengesetzte Richtung. Der Wetterbericht sieht so schlecht aus, dass wir beschließen im Turbotempo in den Süden zu fahren. Der Norden muss warten und wir kommen ja schließlich zwangsläufig zurück.
In Asilah stehen wir auf einem Campingplatz im Matsch, aber der junge Mann an der Rezeption spricht super deutsch und installiert uns sofort eine Sim Karte im Router. Der wichtigste Programmpunkt heute. Wir wollen keine Tagine essen von seiner Mutter, sondern nur noch ins Bett.
Am nächsten Tag geht´s weiter Richtung Rabat.
Es regnet in Strömen und wir sehen bereits überschwemmte Felder. Der Norden ist reines Agrarland, flach und optisch unspektakulär. Kurz vor Rabat biegen wir Richtung Osten ab, fahren Richtung Meknes und von dort direkt auf den Mittleren Atlas zu. In Azrou einer kleinen Stadt kurz vor den Bergen können wir auf einem Parkplatz neben der Moschee parken und werden sogar bewacht. Wir schlendern ein bisschen durch die Stadt und bestellen uns in einem kleinen Café einen Minztee. Er wird mit drei Gläsern serviert und wir haben natürlich keine Ahnung wie wir das jetzt korrekt unter der Beobachtung sämtlicher Anwesenden hinkriegen sollen. Später stellt sich raus, wir haben alles falsch gemacht, aber halb so wild. Ich glaube hier verzeiht man viel. Wir laufen an vollen Restaurants vorbei, teilweise baumeln halbe Tierhälften davor und auf Kochern stehen Tagineformen, aus denen es dampft. So ganz trauen wir uns noch nicht ins Getümmel. Wir fremdeln ein wenig mit den Eindrücken, die in diesen ersten Stunden auf uns einprasseln.
Am nächsten Morgen, ziemlich früh tönt es neben uns vom Minarett. Diese ungewohnte Weise wird uns nun wochenlang begleiten. Mehrmals täglich. Kein Dorf ohne ein bis zwei Moscheen.
Wir haben den Regen hinter uns gelassen und starten Richtung Berge.
Wir fahren eine große Landstraße, die geradewegs über den Mittleren Atlas führt. Gleich hinter Azrou liegt Schnee, der immer mehr wird, je höher wir kommen. An den Straßenrändern halten Autos mit Familien, die mit den Kindern im Schnee toben und kleine Schneemänner bauen. Das haben wir nicht erwartet.
Irgendwann stehen wir vor einer Straßensperre. Der Pass ist gesperrt. Wir werden gezwungen eine Umleitung zu fahren, die uns Stunden kosten wird. Wir kommen in einen Ort, der aus baufälligen Häusern besteht. Ab dem Ortseingang gibt es keine befestigte Straße mehr, nur noch Lehm und großen Pfützen. Am Ende steht das Wasser so hoch, dass auf den ersten Blick kein Durchkommen ist. Ich bekomme meinen ersten Nervenzusammenbruch, aber Stefan beobachtet, wie ein großer Bus, halb im Wasser sich am Rand entlang quetscht, fast an einer Hausmauer dran, um dann auf der anderen Seite heil wieder rauszukommen. Auch andere Autos fahren. Stefan macht mir eine Ansage und gibt todesmutig Gas. Es klappt, wir sind auf der anderen Seite und können weiterfahren. Und wir fahren und fahren. Die Landschaft ändert sich, das Atlas Gebirge liegt hinter uns und wir haben plötzlich das Gefühl, wir sind endlich in Marokko angekommen.
Unser Stellplatz für diese Nacht ist eine Kasbah. Ein altes Lehmgebäude, welches früher von den Berbern als Wohngebäude und Festung genutzt wurde. Diese Gebäude sind typisch für Marokko. Allerdings werden sie nur noch selten bewohnt. Hier treffen wir allerdings auf eine Kasbah, die zu einem Teil wieder hergerichtet wurde. Mit drei Fremdenzimmern und Badezimmer, sowie einem Gemeinschaftsraum, in dem gegessen werden kann.
Wir werden herzlich von Ali, dem Besitzer begrüßt und stehen hier mit zwei weiteren Wohnmobilen. Diesmal sagen wir nicht nein zur Tagine und sind neugierig wie uns die erste in Marokko schmecken wird. Bei der Zubereitung dürfen wir sogar zuschauen. Da es ziemlich kalt ist im Haus, fragen wir, ob wir auch in unserem Auto essen dürfen. Selbstverständlich.
Das Ergebnis der Tagine ist lecker, aber auch nicht spektakulär. Wir haben mehr Würze erwartet und es fehlt Salz. Aber Hühnchen und Gemüse ist immer gut. Also wird nicht gemeckert.
Am nächsten Morgen bekommen wir ein "Berberfrühstück" serviert (drei umgedrehte Spiegeleier) und unterhalten uns noch ein bisschen mit den netten Franzosen aus den anderen Wohnmobilen. Zum Abschied schenkt uns Ali eine ganze Schachtel Datteln. Die haben von da an wochenlang als Wegzehrung gedient.. Wir fahren weiter. Durch das wunderschöne Ziz Tal. Am Fluss entlang wachsen unendlich viele Dattelpalmen. Das Grün bildet einen wunderschönen farblichen Kontrast zu den kargen gelb- orangefarbenen Bergen, die das Tal einrahmen. Viele kleine Dörfer und Siedlungen reihen sich aneinander und wir sehen viel kleinteilige Landwirtschaft. An den Straßen stehen immer wieder kleine Stände mit Orangen und Tomaten, Kräutern und anderem Obst und Gemüse, was anscheinend gerade Saison hat.
Hinter Errachidia, einer Stadt am Ende des Ziz Tals füllen wir unsere Vorräte nochmal auf. Der Marokkanische Supermarkt ist absolut auf europäischem Level. Bis auf Alkohol gibt es alles. Ok, etwas anders von der Gewichtung, aber wir vermissen erstmal nichts. Auffällig sind die vielen roten Emmentaler Kugeln an der Käsetheke. Die scheinen offensichtlich beliebt zu sein.
Die Landschaft wird karger und wir fahren eine Weil durch eine flache Gerölllandschaft, die wahrscheinlich schon als Wüste zählt. Wir fahren kilometerlang nur geradeaus. Rechts und links kann man immer wieder Wege oder Pisten erkennen, die durch die Wüste führen. Ab und zu sehen wir Autos in der Ferne, die eine Riesen Staubwolke hinter sich herziehen.
Endlich erheben sich am Horizont Hügel und je näher wir kommen, um so besser können wir es erkennen. Wir sind am Dünenrand der Sahara angekommen.
Erstes Etappenziel geschafft. Wir sind in Merzouga. Wir finden einen traumhaften Stellplatz hinter einem Hotel mit direktem Zugang in die Dünen.
Wir werden herzlich mit Minztee und Gebäck begrüßt und beschließen ein paar Tage einfach hier zubleiben.
Stay tuned!



























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