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Quer durch Marokko

  • Autorenbild: Agnes
    Agnes
  • vor 3 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit
Quer durch Marokko

Unser erstes Etappenziel ist die Todraschlucht. Von Merzouga aus sind es fast 200 Kilometer. Die Landschaft wechselt von Steppe zu Felserhebungen - alles in warmen Ocker und Rottönen. Mit ein paar grünen Farbtupfen - immergrünen Büschen dazwischen.

Vor der Todraschlucht steuern wir einen Stellpatz an. Wir wollen morgen ganz früh los. Vor den Besucherströmen, die laut Recherchen zu jeder Jahreszeit den Engpass fluten.

Die Durchfahrt ist schon beeindruckend. Wir haben Glück und selbst die fliegenden Händler fangen erst an ihre Teppiche aufzuhängen. Es sieht wirklich aus wie ein Nadelöhr. Wir fahren noch ein bisschen weiter, können uns aber nicht so recht entscheiden die wirklich anspruchsvolle Tour zu fahren, um am Ende die Querverbindung zur Dades Schlucht zu nehmen. Irgendwie haben wir doch ziemlichen Respekt vor den engen Strassen und den ziemlich flott fahrenden Einheimischen inklusive größerer Autos (LKW´s!!), die uns auf diesem sehr schmalen Weg überholen oder Entgegenkommen. Wahrscheinlich wäre das alles gut gegangen. Aber manchmal denken wir uns auch, man muss das Schicksal nicht herausfordern.

Wir fahren zurück und nehmen den anderen Weg zur Dades Schlucht. Der Weg dahin ist fast noch schöner als zur Todra Schlucht.

Nach diesem landschaftlich beeindruckenden Erlebnis, zieht es uns weiter Richtung Westen.

In Richtung Quarzazate fahren wir auf der Strasse der Kasbahs.

Diese Strasse, ist eine historische Route im Süden, die zwischen dem Hohen Atlas und dem Anti-Atlas von Quarzazate bis Errachidia verläuft.

Hier stehen zahlreiche Lemburgen (Kasbahs) mitten in riesigen Oasengärten. Von dieser Route führen auch die Wege in die Dades - und Todraschlucht.


Vor Quarzazate finden wir einen kleinen Stellplatz. Direkt dahinter, vielleicht ein paar hundert Meter entfernt liegt eine dieser Lehmburgen. Wir machen uns auf den Weg das Gelände zu erkunden. Vor der Kasbah ist ein Fluss, den wir höchstens Barfuß durchqueren könnten. Aber wir entdecken ein paar Steine, die da offenbar schon als kleine Brücke dienen. In dem Moment kommt jemand mit wehenden Gewändern auf uns zugelaufen. Fuchtelt mit den Armen und am Fluss steht ein Berber, der uns freundlich anbietet uns beim Überqueren zu helfen.

Wir kommen ins Gespräch und er erzählt, das er hier mit seiner Familie wohnt. Wenn wir Lust hätten könnten wir ja ein paar Schritte zusammen gehen. Klar. Wann trifft man schon auf jemand, der einem etwas zur Geschichte erzählt. Zwei Stunden später, inklusive Teppichvorführung, Ziegenkäseherstellung und "Einladung zum Couscous Essen" verabschieden wir uns höflich mit einem Trinkgeld. Wir finden das angemessen. Er nicht. Er meinte ziemlich unhöflich, dass er da mehr erwartet hätte. Wir sind gegangen. Wir hatten ihn definitiv um nichts gebeten.

Allerdings haben wir eine interessante Besichtigung des gesamten Areals gehabt und einige Geschichten dazu gehört. Der Teppichhändler, der angeblich ganz zufällig da war, verfügt über Visitenkarten mit TikTok und Instagram Profil und versprach uns sämtliche Teppiche direkt nach Deutschland zu versenden.

Ein bisschen desillusioniert - aber irgendwann musste es ja wohl passieren verlassen wir das Gelände und wundern uns noch ein bisschen.

Wir beschließen den Tag mit den Gedanken: es war toll, diese Kasbah gesehen zu haben. Es war eine Erfahrung. Und wir sind uns sicher, dass unser Trinkgeld absolut angemessen war.


Unser nächster Stop: Ait-Ben-Haddou.

Dieses Dorf gehört zum UNESCO Weltkulturerbe und diente als Filmkulisse für zahlreiche Hollywoodproduktionen. Früher war der Ort ein wichtiger Handelsposten für Karawanen, die in die Sahara unterwegs waren. Das Dorf entspricht einer Kasbah, in traditioneller Lehmbauweise.


Zugegeben, es liegt sehr malerisch und ist von der gegenüberliegenden Seite ein berühmtes Postkartenmotiv.

Der Ort an sich ist wie ein kleines Heimatmuseum aufgebaut. Man zahlt Eintritt und flaniert dann durch die engen Gassen, bis zum höchsten Punkt, von dem man einen herrlichen Ausblick hat.

Es ist touristisch, klar. Aber wir finden, es hat sich absolut gelohnt. Wir waren hier.


Wir fahren weiter Richtung Agadir. Ein Stück davor liegt die Stadt Taroudant. Hier steuern wir einen Campingplatz außerhalb an und organisieren uns ein Taxi.

In der Medina treffen wir das erste Mal auf das typische Marktangebot. Schmuck, Textilien, Teppiche, Gewürze und jede Menge andere Sachen, die wir nicht brauchen. Auf der Suche nach ein paar Souvenirs - wie soll es anders sein, werden wir selbstverständlich zum Tee eingeladen und in den "privaten Verkaufsraum" geführt. Dort kommen wir nicht eher raus, bevor ich mich für einen Silberreif, Ohrringe, eine kleine Handtasche (obwohl ich Taschenkaufverbot habe) und ein paar schicke typische Hausschuhe für Stefan(!) entschieden habe. Das Handeln macht Spaß und der Verkäufer ist super lustig. Natürlich haben wir wieder viel zu viel bezahlt. Aber es war ein Erlebnis.


Auf dem Weg zurück finden wir ganz in der Nähe unseres Platzes ein kleines Restaurant, mitten im "Grünen". Es hat einen wunderschönen Garten und bietet ein Menü (Surprise) an, dem wir nicht widerstehen können. Wir nehmen Platz in einem kleinen Pavillon mitten im Garten. Katzen streichen um unsere Beine und der Chef persönlich kommt mit Rosenwasser, zur Reinigung der Hände.

Es wird ein Vier-Gänge Menü. Schon nach der Vorspeise müssen wir fast aufgeben. Es ist köstlich und wahrscheinlich das Beste, was wir in ganz Marokko zu Essen bekommen.

Wir plaudern eine ganze Weile mit dem Inhaber. Ein relativ junger Typ, der hier seine ganz eigenen Visionen verwirklicht. Im Sommer ist es nicht nur Restaurant, sondern auch Veranstaltungsort. Er plant Open-Air Konzerte und Theatervorstellungen.

So etwas hatten wir nicht erwartet und sind total begeistert.


Das war ein Fest für alle Sinne. Ganz unverhofft. Und so ist es immer am Schönsten!


Jetzt fahren wir in den Süden. Bis nach Sidi Ifni. Wir wollen jetzt endlich mal wieder das Meer sehen.


Auf dem Weg dahin fahren wir bereits an der Küste entlang.

Einen Zwischenstop legen wir noch ein, auf einem Stellplatz mit spektakulärer Sicht auf das Meer. Hier sind wir offenbar bei einem bekannten Paraglide Hotspot gelandet. Wir schauen den aufregenden Flügen zu. Ganz ohne scheint es nicht zu sein. Und für die, die es können, ist es wohl pures Adrenalin.



Am nächsten Morgen kassieren wir den ersten Strafzettel in Marokko. Bis jetzt wurden wir immer freundlich durchgewunken. Fast schade, dass niemand die zig Kopien von unseren Reisepässen haben wollte. Aber nun sind wir dran. Mitten auf einer einsamen Landstrasse. Ohne Verkehr, ohne nichts.

Die freundlichen Polizisten erklären in einwandfreiem Englisch, dass wir zu schnell unterwegs waren. Kostenpunkt 15 Euro. Die lassen sich aber nicht so ohne weiteres bezahlen. Nein, dafür muss ein Beamter zwei DiN A 4 Seiten ausfüllen. In zwei Sprachen. Dies ist der offizielle Beleg. Ohne den läuft nichts. (Stefan möchte sich den Beleg unbedingt einrahmen:-))

Nach ca. 30 Minuten ist das Procedere erledigt und wir können weiter. Stefan erzählt höchst amüsiert, sie hätten schon reiche Beute gemacht. Mit ihrer Laserpistole.


Sidi Ifni. Gefällt uns auf den ersten Blick überhaupt nicht. Es ist runtergekommen. Der Stellplatz überfüllt und nicht besonders romantisch. Die Stadt oberhalb auch sehr in die Jahre gekommen. Man erahnt nur noch die vormalige Kolonialzeit der Spanier, denen die Stadt ein paar schöne Gebäude zu verdanken hat.

Hier kommen wir das erste Mal so richtig hautnah mit dem Markt in Kontakt. Vor allen mit den Tieren. Die Hühner sitzen eben noch gackernd im Körbchen, einen Moment später unter dem Ladentisch. Kopf ab. Ganze Kamelhälften hängen hier und der Geruch ist gewöhnungsbedürftig.

Aber so ist es. Wir bleiben tatsächlich ein paar Tage und lassen uns auf das Treiben ein.

Viele Dauercamper, in erster Linie ältere Franzosen scheinen hier den Winter zu verbringen. So richtig angetan sind wir nicht.

Wir überlegen lange, ob wir jetzt in den Anti Atlas fahren nach Tafraoute. Wir entscheiden uns dagegen. Das Internet ist zu instabil und ich muss einfach Arbeiten. Also fahren wir wieder Richtung Agadir.


Hinter Agadir finden wir einen sehr schönen kleinen Platz im Grünen. Wir verbringen eine ruhige Nacht und fahren am nächsten Tag nach Marrakesch. Dort haben wir uns für das Wochenende in einem kleinen Riad in der Medina ein Zimmer gebucht. Vorher fahren wir allerdings noch auf einen Platz außerhalb. Es ist erst Donnerstag und die Arbeitswoche noch nicht zu Ende.


Am Freitag fahren wir quer durch Marrakesch. Der Verkehr ist unglaublich. Es ist wuselig, aber irgendwie auch nicht schlimm. Alles und Jeder findet seinen Weg. Man hat das Gefühl, die Menschen passen aufeinander auf.

Wir stellen Pauli auf einem bewachten Parkplatz am Flughafen ab und fahren mit unserem Wochenendtäschen per Taxi in die Stadt.


Wir freuen uns riesig endlich in Marrakesch zu sein.


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