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(Haute) Médoc und Saint Emilion

Autorenbild: Agnes
Agnes
13. Mai 2025
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 2. Aug.


Wir haben uns eine Woche durch die Gegend um Bordeaux treiben lassen. Hier wollen wir unseren France-Passion-Führer nutzen und uns die Weingüter genauer anschauen. Gleich beim ersten Versuch stellt sich heraus, dass keiner zu Hause ist. Es ist schon wieder ein langes Wochenende mit Brückentag, und ganz Frankreich ist anscheinend auf den Beinen, um irgendwo das "Weekend" zu verbringen. Die Winzerfamilie auch. Nur der Opa ist da und meint, wir können uns direkt vors Schlosstor stellen. Es herrscht himmlische Ruhe und ein schöner Blick in die Weinberge. Nur aus der Besichtigung wird nichts. Dafür machen wir mit den Rädern eine schöne Tour durch die Weinberge und kommen an vielen Schildern und Châteaus vorbei. Abends recherchieren wir, um endlich zu verstehen, worin die Unterschiede bei den Bezeichnungen der Weingüter und Lagen bestehen. Es ist kompliziert. Médoc, Haut-Médoc Grand Cru, Cru Bourgeois usw. Und innerhalb der einzelnen Grand-Cru-Klassifikationen gibt es noch diverse Kategorien, und ehrlich gesagt fällt es uns schwer, das alles im Detail zu erfassen. Da käme selbst Dionysos ins "Schleudern".



Natürlich fahren wir auch bei den "Rothschilds" vorbei. Es gibt ja zwei. Das ist uns zum Beispiel auch nicht klar. Wir recherchieren, Google sei Dank, und stoßen auf eine Geschichte über die Familien, die wir gar nicht besser hätten erzählen können.



Was wir dabei lernen, ist eine Familiengeschichte wie aus einem Roman. Ein Vater, zwei Söhne: Der eine, Nathan, gründete im 18. Jahrhundert eine Bank in London, der andere, Jacob – später James genannt – ging mit demselben Ziel nach Paris. Aus dem englischen Zweig der Familie ging Mouton-Rothschild hervor, aus dem französischen Lafite-Rothschild. Die beiden Châteaus liegen in Pauillac direkt nebeneinander und sind seit Generationen die berühmtesten Rivalen von Bordeaux.


Pikant dabei: Mouton war bei der großen Klassifizierung von 1855 zunächst gar kein Premier Cru. Erst 1973 – nach jahrzehntelangem Kampf von Baron Philippe de Rothschild und gegen den erbitterten Widerstand des Lafite-Besitzers, seines eigenen Verwandten – wurde Mouton als bisher einziges Château nachträglich zum Premier Grand Cru

aufgewertet. Bekannt ist Mouton außerdem für seine Künstleretiketten, die seit 1945 jedes Jahr von einem anderen berühmten Künstler gestaltet werden.

Auch geschmacklich könnten die beiden Weine kaum unterschiedlicher sein: Lafite gilt als elegant, mit feinen Veilchen- und Mandelnoten, während Mouton für Opulenz und ausgeprägte Frucht steht – zwei völlig eigene Charaktere, die sich nicht wirklich vergleichen lassen.


Wir fahren weiter!

Nächstes Highlight
Nächstes Highlight

Nächstes Highlight: Bordeaux lassen wir diesmal aus. Da waren wir letztes Jahr schon, und wir fahren direkt nach Saint-Émilion. Wir finden einen Platz auf einem kleinen Weingut (Grand Cru classé!!) mit nur 5 ha Anbaufläche und melden uns direkt zur Weinprobe und Kellerführung an.

Die Landschaft ist sanft und hügelig, und wir radeln mit den Rädern in den Ort. Vorbei an großen Namen, wie z. B. Angélus. Es fühlt sich schon irgendwie besonders an, hier zu sein.

Saint-Émilion ist ein "Vorzeigeort" mit allem, was das Weinliebhaberherz begehrt. Es gibt eine große Vinothek, in der man alle großen Gewächse und ihre Jahrgänge bewundern kann. Im Ort selbst sind viele Weingüter mit eigenen Degustationsmöglichkeiten vertreten. Hier sieht man Asiaten und hört Amerikaner, die fleißig einkaufen. Wir fragen uns, wie das mit dem Transport funktioniert. Aber wahrscheinlich ist man hier bestens organisiert.


Nach unserem Stadtrundgang radeln wir durch die Weinberge zurück und freuen uns auf eine sehr persönliche Weinprobe. Das kleine Weingut in Grand-Cru-Lage produziert seit 2012 in Bioqualität und verwendet Merlot und Malbec für die Cuvées. Der Preis ab Château ist noch erschwinglich, und wir kaufen natürlich ein paar Flaschen mit der festen Absicht, diese bis nach Hause zu transportieren.


Am nächsten Tag fahren wir durch die kleine Appellation Pomerol mit ihrem berühmtesten Weingut Petrus. Dieses Weingut in Familienbesitz hat eine Ausnahmelage und produziert seit Langem die berühmtesten und vor allem teuersten Weine. In Fachkreisen heißt es allerdings, dass es Nachbarn gibt, die einem Petrus in nichts nachstehen. Wohl aber im Preis.



Wir kommen wieder. Hier gibt es noch viel zu entdecken. Wir mögen vor allem die Region. Weinberge, attraktive Städte und die Nähe zum Meer sind eine schöne Kombination.

Nächstes Ziel: Île de Ré.

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