Traumhaftes Galizien
Aktualisiert: 22. Aug.

Lange haben wir davon geträumt, endlich in Galizien zu sein.
Jede Beschreibung, alle Bilder, Dokus und was auch immer wir uns vorher angeschaut haben: Sie sagen alle die Wahrheit. Aber es ist eigentlich noch viel schöner!
Menschen, die sich allein vom Anblick dieser Natur berauschen lassen, die gerne draußen sind, sich nicht von ein paar Regentropfen abhalten und auch Wind abkönnen, die sind hier richtig. Es ist hart, aber auch weich und sanft. Wir sehen raue Klippen, Brandung, und nach der nächsten Kurve eine sanfte Bucht mit einem schneeweißen, langen Sandstrand. Wenig Häuser, kaum merklicher Tourismus und Menschen, die einen ungewohnten Dialekt sprechen. Nicht zu überhören. Deshalb wissen wir: Wir sind in Spanien.
Wir fahren von Portugal hoch, einmal quer durch Vigo und auf die andere Seite nach Cangas. Wir finden einen kleinen Stellplatz, auf dem wir ganz allein stehen. Wir können unsere Gasflasche umtauschen und bekommen jede Menge Tipps für die Halbinsel. Unter anderem wandern wir zu den keltischen Rundhäusern und haben einen Blick über die ganze Bucht nach Vigo, auf die gegenüberliegende Insel und den offenen Atlantik.
Wir wollen ja langsam reisen … also ist unser nächster Stopp die Illa de Arousa. Eine richtige kleine Insel, die ein bisschen an die Île de Ré erinnert, aber viel kleiner ist. In 10 Minuten ist man einmal rum :-)
Hier ist überhaupt noch nichts los. Und der Stellplatz an einem Chiringuito neben einem kleinen Strand ist leer … wir stellen uns einfach mal hin. Am nächsten Tag stellen wir fest, es ist nicht ganz unbelebt. Die Bar macht mittags auf, die Besitzer sind super lieb und haben null Problem damit, dass wir dort 2 Nächte stehen. Natürlich trinken wir ein Bierchen und genießen die Aussicht und vor allem die Ruhe. Viele Leute kommen nicht. Hauptsächlich Hundebesitzer und Jogger. Von hier aus kann man eine schöne Runde um die Insel starten, immer an der Küste entlang. Diese Insel mögen wir. Wiederkommen ist nicht ausgeschlossen.
Die Reise geht weiter. Wir fahren nur ein kleines Stück und landen auf einem Privatgrundstück einer Familie, die ihre Wiese für Leute wie uns zur Verfügung stellt.
Es sind nur ein paar Meter bis zu einem riesigen, langen Sandstrand.
Es ist Wochenende, und wir haben Zeit für einen ausgedehnten Strandspaziergang.
Wir stellen bereits hier fest: Galizien scheint vielfältig zu sein. Lange Strände, kleine Buchten, Felsen und Klippen und ein total üppiges Hinterland. Es blüht und ist unfassbar grün. Im Hinterland gibt es Eukalyptuswälder, und man merkt überall, dass diese Region von dem milden, aber feuchten Klima profitiert.
Nach diesem Wochenende zieht es uns nach Santiago de Compostela. Natürlich wollen wir der Stadt einen Besuch abstatten. Wenn wir schon nicht als Pilger kommen, dann wenigstens als Langzeit-Vanlifer. So können wir uns ja wohl langsam nennen :-)
Es ist Montagnachmittag, und die Stimmung um die Kathedrale ist entspannt. Menschen liegen da einfach neben ihren Rucksäcken auf dem Platz und können es wahrscheinlich kaum glauben, endlich angekommen zu sein. In der ganzen Altstadt herrscht eine entspannte, gelöste Atmosphäre. Die Menschen sind fröhlich, kommen aus allen Ländern dieser Welt, und man hat das Gefühl, sie fühlen sich geeint. Durch den Weg und ihre Erlebnisse und Erfahrungen. Ein schönes Gefühl.
Wir übernachten hier nicht. Der Parkplatz in der Stadt hat nicht besonders viel Charme. Wir sind wählerisch, und hier in Galizien kann man sich das leisten. Niemand muss zwischen Reisebussen und hundert anderen Wohnmobilen mitten in der Stadt auf einem staubigen Parkplatz übernachten.
Wir fahren sogar noch ein ganzes Stück und landen auf einem kleinen Parkplatz, wieder an einem Strand. Außer uns steht da noch ein Camper. Plötzlich fliegt ein Stöckchen ins Auto, und ein Hund steht vor der Tür und will spielen. Ausgerechnet so ein Border Collie, wie ihn Stefan sich heimlich wünscht. Die zwei verstehen sich auf der Stelle, und der Besitzer hat nichts dagegen, dass wir mit "Brisa" noch mal an den Strand gehen. Ein kleiner Vorgeschmack auf das Gefühl, wie es wäre, wenn wir plötzlich zu dritt wären …
Das hat Spaß gemacht. Ich sehe einen glücklichen Mann!
Jetzt gerade beim Schreiben merken wir, dass wir mit unseren Eindrücken und Erinnerungen nicht mehr hinterherkommen. Wenn wir nicht Google und die Fotos hätten, würden wir total durcheinanderkommen. Jetzt sitzen wir hier mit der Landkarte und versuchen, alles in der richtigen Reihenfolge zu erzählen. So weit kann es kommen … :-) Aber wir sind uns sicher: Nach dem Hundeerlebnis kam ja noch ein weiterer schöner Strand, der Playa de Caión, nicht mehr weit von A Coruña entfernt.Ein hübscher Strand mit einem kleinen Ort, in dem nix los ist.
Weiter geht's auf der Jagd nach der nächsten schönen Bucht, dem größten Strand oder der besten Aussicht. Wir werden fündig. In Valdoviño bleiben wir drei Nächte und haben am Strand jede Menge Auslauf und tolles Wetter.
Wir bleiben, wenn es uns gefällt, immer so 2–3 Tage. Das tut gut, vor allem, weil ich den halben Tag arbeite und erst ab nachmittags auf "Empfang" gehe für neue Aktivitäten. Ehrlich gesagt gehen die Tage so dahin. Wenn wir aus dem Fenster schauen oder rausgehen, sehen wir das Meer. Einen Strand, eine große oder kleine Bucht, und fragen uns immer: "Geht's noch schöner?"
Nach Valdoviño kommt ein paar Kilometer weiter, quasi hinter dem nächsten Berg, der nächste Spot. Diesmal mit einem Parkplatz oberhalb des Strandes. Ein Weg führt weiter hoch in die Klippen, von denen man einen atemberaubenden Blick hat. Es ist ganz schön windig, und manchmal denken wir bei dieser Landschaft auch an die Bretagne, ganz im Westen.
Dieser Platz fasziniert uns sehr. Das ist genau das, was wir uns auf dieser Reise gewünscht haben. Nicht überall hat man die Gelegenheit, an solchen Plätzen zu stehen, ohne etwas dafür zu bezahlen, mit einem unbezahlbaren Ausblick. Wir kneifen uns jeden Tag und fragen uns, ob das alles wahr ist. Ja, ist es. Und dafür sind wir unendlich dankbar.
Was kommt jetzt noch? Wie geht es weiter?
Es ist noch zu toppen. Wir landen in O Vicedo an der Playa de San Román. Hier dürfen wir auf dem Parkplatz vor einem Restaurant am Strand stehen. Wir testen erst mal den Pulpo und die Jakobsmuscheln und machen anschließend einen ausgedehnten Strandspaziergang. Aber der Ort kann mehr als nur Strand. Am nächsten Morgen starten wir zu einer etwas längeren Tour. Es geht ziemlich steil bergauf. Oben angekommen, erwartet uns ein Blick, der einfach atemberaubend ist. Das klingt kitschig. Ist es aber nicht. Wir wandern lange entlang der Klippen, bis der Weg irgendwann durch den Eukalyptuswald wieder zurückführt. Nach drei Stunden kommen wir glücklich und erledigt wieder bei Pauli an.
Wir verlassen die Playa de San Román, nicht ohne zum zweiten Mal in dem Restaurant den hervorragenden Pulpo zu essen. Jetzt sind wir auf dem Weg Richtung Asturien …
Die Picos de Europa sind unser nächstes Ziel.
Auf geht's!



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